Einmal im Jahr
Einmal im Jahr – sinnbildlich für das immer Wiederkehrende.
Wenn die Dunkelheit, die Leere, der Dämon der Depression wieder da ist – und ich trotzdem nicht aufgebe. Ich möchte in diesem Beitrag ein paar persönliche Worte loswerden. Manchmal brauche ich ein Ventil, so wie das schreiben, um den Gedanken Luft zu machen.
Menschen die mich kennen wissen es, in dem einen oder anderen Beitrag hatte ich darüber auch schon geschrieben oder es schüchtern erwähnt. Da gibt es einen Teil von mir, etwas, wenn es da ist, mein Leben so sehr beeinflusst und für sich vereinnahmt. Ich weiß nicht genau, wann es das erste Mal war, dass mich die Depression so wirklich gepackt hat. Es gab nicht den einen Moment, es war ein sich über viele Jahre entwickelnder Prozess. Es kam schleichend und schon früh in mein Leben. Sicher ist jedoch: Auch wenn es längere Zeit gut geht, sie ist geblieben und ein Teil von mir. Sie kommt und geht. Das ich das je ganz loswerde … Von diesem Gedanken habe ich mich verabschieden müssen.
Manchmal lässt sie mich wochenlang durchatmen und hoffen. Und dann – plötzlich, fast lautlos – ist sie wieder da. Es kommt und geht, immer wieder. Das weiß ich, doch jedes mal wenn es soweit ist, zieht es mir den Boden unter den Füßen weg.
Einmal im Jahr holst du mich in deine Welt.
Einmal im Jahr weiß ich, wie´s sich anfühlt wenn man fällt.
Obwohl ich das schon lange weiß, bin ich, wenn du kommst, nie bereit.
In dieser dunklen, bedrückenden Zeit fällt es mir oft schwer, überhaupt aufzustehen, das Haus zu verlassen, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Es ist, als würde alles in mir einfrieren. Die Gedanken kreisen endlos, die Traurigkeit erdrückt mich. Und oft kann ich keinen Grund oder Auslöser benennen. Ich hoffe und sammle letzte Kräfte und trete mal wieder den Kampf an, dass das endlich aufhört und sich dieser graue Nebel sich verzieht. So schlimm wie im Jahr 2021 war ist es nicht. Damals war ich nahe am Aufgeben und diesem, meinem Leben ein Ende machen zu wollen – dieses Extrem ist weit weg. Aber ich muss aufpassen, dort nicht wieder hinzukommen. Das ist eine Krankheit, die potentiell tödlich verläuft. Das ist leider die Realität.
Kleine Schwierigkeiten des Alltags, werden in diesen Momenten zu schier unlösbaren Problemen. Und echte Schwierigkeiten, wie z.B. ein familiärer Todesfall, schwere Krankheiten der geliebten Haustiere … Nun, das zieht mich extrem runter und ich habe das Gefühl, selbst daran zu zerbrechen. Das sind Situationen in denen ich aufpassen muss, nicht noch tiefer in ein Loch zu fallen. Hier brauche ich Hilfe, Unterstützung, Zuspruch.
Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Und trotzdem fühlt es sich oft so an.
Darum ist es mir wichtig, offen darüber zu sprechen – auch wenn es nicht leichtfällt. In Momenten wo ich wieder klar bin, weiß ich, dass es noch so viele Menschen gibt, die sich für ihre Depressionen schämen, die denken, sie seien schwach. Ich kenne das nur zu gut! Dabei ist das Gegenteil der Fall. Es braucht unglaubliche Kraft, Tag für Tag weiterzumachen, wenn man innerlich kämpft. Es braucht Mut, sich Hilfe zu holen. Und es braucht ehrliches Mitgefühl – von uns selbst und von anderen.
Was mich seit langem neben der Kunst begleitet, ist auch Musik.
Besonders der Song „Einmal im Jahr“ von Kate Louisa berührt mich tief. Seit langem schon, mag ich diesen Titel ganz besonders, eben weil der Text mir aus der Seele spricht. In ihm singt Kate über ihre eigene Erfahrung mit Depressionen, ehrlich und voller Gefühl. Sie spricht den Dämon der Depression direkt an und bittet ihn, sie freizulassen. Er geht, doch lässt nie komplett los und kehrt immer wieder zurück. Und dennoch gibt es da immer die Hoffnung und trotz allem Zuversicht. Ihre Worte und Musik geben mir das Gefühl verstanden zu werden. Dass es okay ist, zu straucheln. Dass es okay ist, sich zu zeigen und das es Hoffnung gibt.
Und genau das wünsche ich mir: Mehr Sichtbarkeit. Mehr Offenheit. Mehr Verständnis. Depression ist eine Krankheit, keine Phase oder kein „Stell dich nicht so an“. Bei einem gebrochenen Arm geht man selbstverständlich zum Arzt und jeder bringt Verständnis auf. Warum nicht auch bei einer gebrochenen Seele?
Gerade Menschen mit einem feinen Gespür, mit einem sensiblen Herzen, sind oft betroffen. Und niemand trägt Schuld daran. Deshalb: Wenn auch Du dich erkennst: Hol dir Hilfe. Sprich darüber. Zeig dich. Du bist nicht allein.
Ich selbst arbeite gerade wieder daran, mir meine Kraft Stück für Stück zurückzuholen. Mitten in einer wiederkehrenden Episode, ist diese Kraft jedoch sehr begrenzt. Deshalb ist es in letzter Zeit so ruhig im Atelier. Doch auch das ist Teil meines Weges. Und ich hoffe, bald wieder mehr Licht in meine Arbeit und meine Kunst bringen zu können.
Bis dahin: Danke, dass Du hier bist. Danke, dass Du das liest.
Für alle, die mit Gleichem oder Ähnlichem kämpfen: #dubistnichtallein 🌻
„Einmal im Jahr“ von Kate Louisa. Ein Song an die Depression, bei dem in jeder Zeile – und dazwischen – so viel Wahres steckt.
Nimm dir die Zeit, höre zu und versuche zu verstehen.